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Was bedeutet es mir Schütze zu sein- Eine Kolumne zum Nachdenken

Was bedeutet es mir Schütze zu sein?

Diese Frage habe ich mir in den letzten Tagen immer öfter gestellt. Als Ehrengast musste ich im Juni in Eller die unfassbare Nachricht von der zunächst lebensgefährlichen Verletzung eines Schützenkameraden zur Kenntnis nehmen.

Dieser Kamerad wurde infolge einer Handgreiflichkeit lebensgefährlich verletzt.

Der traurigen Mitteilung folgte eine kollektive Ohnmacht des Vereins, aber auch aller Gäste.

Gemeinsam mit dem Vorstand, dem Pastor und den anderen Gästen haben wir für den verletzten Kameraden und seine Familie „ein Vater unser“  gebetet.

 

Der Schütze, Vater des amtierenden Regimentskönigs,  ist am nächsten Tag seinen schweren Verletzungen erlegen.

Was ist hier passiert? Was passiert mit uns und unserer Tradition?

Wir Schützen vertreten eine jahrhundertelange Tradition. Waren es zunächst Schützen, die ihre Heimat schützten, so sind es heute gerade die Schützenvereine, die in den Stadtteilen zum kulturellen aber auch kirchlichen und caritativen Leben unverzichtbar dazugehören.

Es sind die Schützen, die den vielen Bewohnern in den Stadtteilen Düsseldorfs immer wieder schöne und unvergessliche Momente bescheren. Das sich dabei vorher vollkommen fremde Menschen näher kommen, ist dabei sicher nur eine schöne Randnotiz.

Und das alles machen wir in unserer Freizeit, geben neben Zeit auch viel Geld dafür.

Wir kümmern uns darum Kinder und Jugendliche an diese Strukturen heranzuführen. Wir versuchen Verbindungen zu allen anderen örtlichen Partnern herzustellen. Und nicht zuletzt wollen wir uns auch um die älteren Mitbewohner kümmern. Wir sind füreinander da. Aber vor allem wollen wir friedlich miteinander feiern.

Neben dem Schützenfest, finden Stadtteilfeste, kirchliche Feste aber auch Martinszüge, Osterfeuer und ähnliches im Stadtteil statt.

Wir möchten den Zusammenhalt aller Bewohner im Stadtteil herstellen. Wir möchten allen einfach nur Freude machen.

Ich glaube, dass ich auch deswegen Schütze geworden bin.

Ich fühle mich nicht als ewig gestriger, sondern als offener und zukunftsorientierter Mensch.

Wir alle sind traurig, dass ein Schütze beim Höhepunkt des Jahres, dem Schützenfest, sterben musste. Wir alle sind traurig, dass diesem Tod ein Streit vorweg ging. Wir lassen uns aber auch nicht beeinflussen, diese von uns beschriebenen Ziele auch weiterhin anzustreben.

Viele, leider auch viele Ungefragte, konnten der Entscheidung des dortigen Vorstandes den Festzug und letztlich das Schützenfest fortzusetzen nicht folgen. In Absprache mit der Familie des Betroffenen, wurde dann alles wie ursprünglich geplant fortgesetzt. Und es war nicht wie immer. Es war eine gemeinschaftliche Trauer, die großen Respekt verdiente.

 

Ich weiß nicht, wie wir letztlich gehandelt hätten,  ich weiß aber  dass wir uns nicht von Gewalt, Intoleranz  und sonstigen Auswüchsen unsere Tradition kaputt machen lassen!

Etwas mehr Respekt und Toleranz von allen Seiten, etwas mehr Miteinander und etwas weniger Gegeneinander würde  ein friedliches  Zusammenleben aller Menschen ermöglichen.

 

Uns dafür einzusetzen sollte ein Ziel sein. Und um diesem Ziel ein wenig näher zu kommen:

 

DAFÜR BIN ICH SCHÜTZE  GEWORDEN

 

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  1. Frank Vossen
    30. Juli 2013, 14:26 | #1

    Dies sind die Gedanken eines/r Kameraden/in aus unserem Vorstand, die wie ich finde sehr ehrlich und emotional beschreiben, was im Kopf und Herzen des/ der Autors/Autorin vorgeht. Dieser Artikel wurde schon im aktuellen Festheft veröffentlicht, verdient aber ein breiteres Publikum. Vielen Dank für diese wertvollen Worte!

    Frank Vossen

  2. Manuel Ziegner
    31. Juli 2013, 09:28 | #2

    Besser hätte man es nicht sagen (schreiben) können. respekt an den Verfasser!

  3. Jürgen Sonnenberger
    31. Juli 2013, 19:06 | #3

    Meine Hochachtung. Sehr treffend und von Herzen geschrieben. Alle Werte erwähnt und die Ziele
    sowie alle sozialen Hilfen die wir als Schützen leisten und uns selbst einbringen, getroffen.
    Herzlichen Dank für diesen schönen Bericht.

    Jürgen Sonnenberger
    Diözesanvorstand

  4. Thomas Damm
    1. August 2013, 11:18 | #4

    Ich finde es schön, dass gerade dieser Bericht – und nicht nur hier – Beachtung findet. Nachdenken hat noch niemanden geschadet!

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