Pressestimmen

Niederkassel

Festlicher Schützen-Auftritt

VON HEIDE-INES WILLNER UND THOMAS BUSSKAMP (FOTOS) – zuletzt aktualisiert: 16.08.2011

Niederkassel (RP). Die Niederkasseler Schützengemeinschaft hatte trotz anfänglichen Regens Glück mit dem Wetter. Heute Abend endet das Vier-Tage-Fest mit dem Krönungsball der neuen Majestäten und dem Zapfenstreich.

Düsseldorfs neues Prinzenpaar Thomas Puppe und Anke Conti-Mica freut sich über die Einladung der Schützen.

Mit drei Böllerschüssen, abgefeuert aus einer kleinen transportablen Kanone, begann der Tradition entsprechend am Samstag das Niederkasseler Schützenfest. Heinz Heger vom Artillerie-Verein Büderich 1922, begleitet von seiner Tochter Stephie, hatte den Abschuss vorbereitet. Schützenchefin Britta Damm und ihr Vize Frank Vossen sowie das amtierende Regimentskönigspaar Claudia und Günter Nießen übernahmen die Zündung der drei Kartuschen. “Das dürfen sie, wenn ein hauptamtlicher Schießmeister dabei ist”, klärt Heger auf.

Vorsichtshalber hatten sich die Protagonisten mit Ohrstöpseln ausgerüstet – und das war auch gut so. Denn der ohrenbetäubende Krach unmittelbar im Böllerbereich war so stark, dass selbst die, die darauf vorbereitet waren, erbebten. Aber die Unvorbereiteten traf es besonders hart: Die kleine Martina schrie wie am Spieß, ein Hundebesitzer schimpfte laufstark herüber und ein Autofahrer stoppte, um auf nicht sehr feine Art seinem Ärger über den erschreckenden Lärm Luft zu machen. Britta Damm versuchte, zu beschwichtigen. “Mit Böllerschüssen wird nun mal die Kirmes eröffnet”, sagte sie. “Das ist Tradition bei vielen Vereinen.” Das Ereignis sei ja in der Zeitung angekündigt worden.

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Termine

Heute um 16 Uhr gibt es auf der Niederkasseler Straße eine weitere Parade. Diesmal zu Ehren des neuen Regimentskönigs, der sich gestern profilierte.

Die Krönung ist dann ab 20 Uhr im Festzelt an der Theodor-Heuss-Brücke.

Mit dem Ausklang des Schützenfestes heute Abend freuen sich die Schützen auf das nächste greifbare Ereignis. Am Samstag, 8. Oktober, ist nämlich wieder das beliebte Oktoberfest angesagt. Allerdings, so wird mitgeteilt, ist es seit Monaten schon ausverkauft.

Jedenfalls wusste nun jeder im “Dorf”, dass die Kirmes eröffnet ist, und langsam füllte sich der Festplatz neben der Theodor-Heuss-Brücke mit Leben. Neben Kinderkarussell und Autoscooter war diesmal die Ponyreitbahn Highlight der Kirmes. Die sechsjährige Maya war darüber so froh, dass sie lange vor dem Parcours ausharrte und auf die Pferde wartete, die wegen der Böllerschüsse vorsichtshalber im Pferdewagen in Sicherheit gebracht worden waren. Doch dann endlich trabten die Pferdchen an und Maya saß als eine der Ersten im Sattel, gefolgt von den Pagen der Niederkasseler, die gerade ihr Schießen um den neuen König beendet hatten. Kai Hammer und Jessica Hüttemann sind die Nachfolger von Finn Berscheidt und Constanze Hermanns.

Die Pagen sind auch Freunde. Selbst wasserdicht verpackt suchen sie Nähe und überbrücken so die lange Wartezeit.

Die Kapriolen des Wetters machten auch vor den Niederkasseler Schützen nicht halt. Denn abends wurde aus dem anfänglichen Tröpfeln der große Regen, und als der Morgen graute, schien alles in einem Wolkenbruch unterzugehen. Kein gutes Omen für den angekündigten Festzug mit stattlicher Parade. Doch dann hatte der Himmel ein Einsehen, konnte der Königstross mit Claudia und Günter Nießen an der Spitze, begleitet von Dechant Michael Dederichs und Schützenchefin Britta Damm, gefolgt vom Jungschützenkönigspaar Patrizia Eller und Julian Losberg, sich am zackigen Defilee von 300 Schützen und zehn Musikeinheiten trockenen Fußes auf der Niederkasseler Straße erfreuen.

Der imposante Aufmarsch und die wie am Schnürchen ablaufende Choreographie fand viel Beifall bei Hofstaat und Ehrengästen, darunter CDU-Landtagsabgeordneter Thomas Jarzombeck, Bezirksvorsteher Rolf Tups und sein Vorgänger Wolfgang Kamper sowie Schützenschefs befreundeter Vereine.

Unter dem Motto: “Feiern da, wo Düsseldorf am schönsten ist” haben die Niederkasseler Schützen auch in diesem Jahr wieder einiges geboten. Am Anfang stand die “Veedelsparty”, zu der jedes Jahr der Zeltwirt einlädt, gefolgt von “Rock em Dörp für Jedermann” mit der Kultband “Porno al Forno”. Zu den Höhepunkten zählte auch der Jungschützenabend gestern, bei dem sich der Nachwuchs präsentierte. Heute endet das Vier-Tage-Fest mit der Krönung des neuen Regimentskönigspaares.

Fotos
Die Niederkasseler Fahnenschwenker-Gruppe ist im Sommer beim Festzug der Schützen, im Winter beim närrischen Umzug stets mit von der Partie.
Claudia und Günter Nießen genießen noch einmal den letzten großen Auftritt während des Festzuges mit Parade. Begleitet werden sie von Dechant Michael Dederichs (links), Schützenchefin Britta Damm (rechts) und Vize-Chef Frank Vossen (2.v.r.).
Niederkassel

Schützenbiwak im “Veedel”

VON MONIKA GÖTZ – zuletzt aktualisiert: 02.08.2011

Niederkassel (RP). Mit dem Song “Wir sind alle kleine süße Fischgesichter” und der Feststellung “Ob du aus Niederkassel oder Oberkassel oder Garath oder Bilk bist, ist doch ganz egal” stieg “Deutschlands beste Partyband” in den Auftritt beim “Niederkasseler Treff” ein.

Julia Sohn und Tanja Spiess (v.l.) freuen sich über das Fest. Foto: Göttert

“Das ist unser Hauptakt”, hatte Britta Damm die gesangsstarke Band angekündigt. Die Chefin des St. Sebastianus Schützenvereins Düsseldorf-Niederkassel 1890 war nicht nur darüber glücklich, dass das Wetter trocken blieb. Sie lobte auch den Schützenbiwak-Standort am Parkplatz An der Apfelweide und die Umsetzung des Slogans “Von Niederkassel, für Niederkassel, in Niederkassel”: “Heute sind alle hier, die unser ‘Veedel’ lieben.” Und alle hatten ihren Spaß.

Nachwuchs vergnügte sich

“Wir lieben die ungezwungene Atmosphäre”, so Emil Fennhahn. Er ist Kompaniekönig der Gesellschaft Reserve und genoss mit Ehefrau Karin das bunte Treiben beim “Niederkasseler Treff.” Das tat auch Cornelia Schmalbach. Sie schlürfte einen “Touch Down” und meint: “Der ist besonders gut.” Offenbar haben die Exoten ihre Fans. “Die Drinks kommen alle gut an”, erzählt Andrea Ballon, die mit Rainer Herzog süffige Cocktails mixte. Selbst gebackene Kuchen und Grillspezialitäten gab’s auch, und der Nachwuchs vergnügte sich bei speziellen Aktionen. “Einfach super”, urteilten die aktuellen Majestäten Günter und Claudia Nießen, Düsseldorfs Venetia Anke Conti Mica mit Ehemann und Tonnengardengeschäftsführer Dino, Gastronom und Ratsherr Giuseppe Saitta, Dorfschänke-Wirt Stefan Deckers, Vertreter der Meuser-Familie und alle anderen Niederkasseler Treff-Besucher.

 

 

Westdeutsche Zeitung 09.08.2010

Niederkassel: 3000 Gäste bei den „Pornos“
von Helga Meister


„Röck em Dörp“ lockte die Fans unter die Nordbrücke. Währenddessen gibt es in Oberkassel Proteste wegen der dortigen Kirmes.


Düsseldorf. In glänzenden, pink-farbigen Anzügen, passend dazu rosarote Perücken, agierte am Samstag die Kultband Porno al Forno im Zelt des Wirts Karlheinz Oellers unter der Theodor-Heuss-Brücke. Die vielen jungen Fans waren begeistert. Wo sonst Grenadiere, Hubertus-Jäger oder Mitglieder des Tambour-Corps in traditionellen Uniformen den Ton angeben, ging es auf der Bühne und vor der Bühne hoch her. Die beliebte Düsseldorfer Gruppe hat in den zehn Jahren ihres Bestehens so viel Furore gemacht, dass Schützenchefin Britta Damm und Frank Vossen als zweiter Schützenchef von den schrägen Spaßmachern nicht lassen können. Die „Pornos“ traten im dritten Jahr auf. Und stets sammeln die Schützen das ganze Jahr über das nötige Geld, damit das Publikum freien Eintritt hat.


Traditionsverein lockt die neue Generation mit buntem Programm

Für 22 Uhr waren die Musiker mit den großen Sonnenbrillen und den wilden, geradezu haarsträubenden Perücken angesagt. Zu diesem Zeitpunkt fand ein Besucherwechsel im Zelt statt. Die Alteingesessenen verließen die Bierstände, während die jüngere Generation herbeiströmte. Die Nachtschwärmer kamen nicht nur aus Niederkassel, sondern aus dem gesamten linksrheinischen Raum. Einige Fans verirrten sich auch aus dem Rechtsrheinischen, unter ihnen sogar eine Staatssekretärin aus dem Finanzministerium.

Mit Veranstaltungen wie dem „Niederkasseler Treff“, dem fast jetzt schon ausverkauften „Oktoberfest“ (9. Oktober) und eben mit „Rock em Dörp“ am Kirmes-Samstag gewinnt das Brauchtum in dem einstmals verschlafenen Niederkassel neuen Schwung. Die Zeiten, da die Anlieger stolz auf ihr idyllisches „Dörp“ waren und eine Straße sogar „Beim Dorf“ nannten, sind längst vorbei. Die Straße heißt noch heute so, aber der Stadtteil liegt fest in den Händen der jüngeren Leute, die keine Bauern mehr sind, sondern Zugezogene. Sie lieben einen neuen Lifestyle und sind stets dabei, wenn Feste gefeiert werden. Das hat auch der Vorstand der Tonnengarde begriffen. Dort ist gleichfalls die Jugend im Vormarsch. Guiseppe Saitta vom Barbarossaplatz weiß das vom Saitta-Fest schon lange.

Ein Schützenfest also als Riesenparty, bei der rund 3000 Fans auftauchten, im Zelt oder davor. Britta Damm meinte stolz: „Bei uns ist es oft fast so voll wie auf der großen Kirmes. Unter der Theodor-Heuss-Brücke ist es schwarz vor Menschen.“

Die Musik-Party klang erst gegen 2 Uhr am nächsten Morgen aus. Ohne Bürgerproteste übrigens. Frank Vossen meinte gestern rückblickend: „Bei uns meckert niemand. Bei uns gibt es ja auch keine Nachbarn.“


In Oberkassel droht der Stadt eine Dienstaufsichtsbeschwerde

Anders in Oberkassel. Hier erhielt Oberbürgermeister Dirk Elbers am Montag vom „Anwohner Schutz Verein Oberkassel“ einen offenen Brief. Er richtete sich gegen die Kirmesverlängerung um einen Tag ab nächstem Jahr. Marianne Franke und Ursula Op den Berg wollen in ihrem Schreiben wissen, was die Stadt für Maßnahmen ergreift, um die zulässigen Grenzwerte für Lärmimmissionen einzuhalten. Die Verlängerung um einen Tag sei immer auch die Verlängerung für eine Nacht, in der die Nachtruhe der Anwohner durch übermäßigen Kirmeslärm gestört werde.

Der Verein droht mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Elbers und gegen Beamte des Ordnungsamtes. Man warte nur noch die Antwort auf den offenen Brief ab.


Königsschuss
Günter Nießen ist der neue Regimentskönig von Niederkassel. Der 40-Jährige, von Beruf Tischler, holte gestern die Platte herunter. Nießen ist Hauptmann der Gesellschaft Tambour-Corps, deren Mitglied er seit 1978 ist. Seit 1996 ist er verheiratet mit Claudia, der neuen Königin, die gleichfalls aus einer Schützenfamilie kommt. Ihr gemeinsamer Sohn ist Dominik.


Rheinische Post 23.05.2009



Britta Damm
Düsseldorfs mächtigste Schützin

VON ULRIKE WINTER


Düsseldorf (RP) Uniformen, Gewehre, Marschmusik: Bis heute suggerieren die Schützen ihre Tradition sei Männersache. Die Statistik sagt etwas anderes: Vier von fünf Vereinigungen im Bund der Historischen Schützenbruderschaften haben Schützenschwestern in den Reihen.

Jedes siebte der 400 000 Mitglieder ist eine Frau. Mit dem Bundesköniginnentag huldigen am Wochenende bis zu 8000 Schützen in Kerpen den versammelten 200 Würdenträgerinnen.

Was bei der Einführung des Festaktes 1956 ein großer Fortschritt war, ist für viele Schützenschwestern heute selbstverständlich. Beispiel ist da die Karriere von Britta Damm. Seit fünf Jahren steht die 45-Jährige an der Spitze der 240 Mitglieder starken Sankt-Sebastianus-Schützen von Düsseldorf-Niederkassel.

Eine Rolle, mit der sie – anders als zu ihrem Dienstantritt – in Düsseldorf nicht mehr allein ist. Zwei Schützenchefinnen zählt die Region, insgesamt werden 22 der 1300 Mitgliedsbruderschaften des Bundes der Historischen Schützenbruderschaften von Frauen geleitet. “Wenn ein Verein Frauen zulässt, dann sollte er das auch auf allen Ebenen tun”, sagt Britta Damm.

Ganz oder gar nicht, alles oder nichts: So ist sie, sagt sie über sich selbst. So hat sie sich ohne Familienbonus vom Reitercorps ihres Vereins bis an dessen Spitze gearbeitet. Sicherlich kämen durch eine Chefin schon mal Themen zur Sprache, die sonst nicht besprochen würden. So werde sie vor Festlichkeiten oft auf das Thema Kleidung angesprochen. Grundsätzlich aber setze sie nicht auf ausgewiesen weibliche Fähigkeiten – “sondern nur ein bisschen Mut”. Anfangs habe das natürlich nicht alle im Verein begeistert: “Aber bei uns wird alles demokratisch beschlossen. Und dann ist es auch beschlossen”.

Die Überzeugungskraft, die sie ab und an zeigenmuss, erweise sich auch außerhalb des Vereins als nützlich, sagt die Mutter eines 23-jährigen Sohnes. Sich durchsetzen, sich behaupten, auch mal in den Männerton verfallen – das könne durchaus hilfreich sein, wenn man als Mitarbeiterin der Staatskanzlei den Terminkalender von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers organisiert.

Nur wenn es um ihre Zukunft bei den Schützen geht, beansprucht sie den Grundsatz der Geschlechtergleichheit nicht. “Ein Mann hätte sicherlich kein Problem damit, das mit 65 Jahren noch zu machen”, meint sie. “Aber wenn ich unter dem Abendkleid nur noch Gesundheitsschuhe tragen kann? Nein, danke.”

Zum Bundesköniginnentag treffen sich am Wochenende 8000 Schützen in Kerpen. Höhepunkt ist Sonntag, 11.30 Uhr, der große Festzug durch die Innenstadt.